„Warum soll ich es kompliziert müssen wollen, wenn ich es auch einfacher dürfen darf?!“

 Wer sein Problem beschreiben kann, beschreibt – meist unbewusst – bereits die Lösung. Warum sieht jemand nicht, dass er gerade die Lösung seines Problems beklagt?

Zentrale Aufgabe im Coaching: dieses „Rätsel“ zu knacken. Die Lösung zu ent – “decken“.

Beschwert sich jemand über seinen Beruf, mit dem er jeden Tag unzufriedener wird, dann kennt er die groben Züge der Lösung: „Ich muss einen anderen Beruf oder eine andere Tätigkeit ergreifen oder meine Tätigkeit entsprechend verändern“!

Statt mich im Leiden: „Ich leide unter meiner Tätigkeit“ einzurichten und mir die schrecklichen Konsequenzen und die Gemeinheiten der beteiligten vermeintlichen Nutznießer meiner Misere in allen Farben auszumalen (was viele Menschen „begeistert“ wochen- und monatelang tun können), könnte ich ganz konkret am Lösungsweg arbeiten. Es ist ernüchternderweise so einfach wie es klingt: Entweder verharre ich in meinem (bequemen, aber nervigen) Problem, oder ich wechsele zur (anstrengenden, aber vermutlich in höherem Maße befriedigenden) Lösung.

Irgendetwas ist aus dem Ruder gelaufen

Irgendetwas in der Vergangenheit ist aus dem Ruder gelaufen, die „problematische Beschreibung“ ist quasi der erste Versuch sich vom Problem zu lösen. Dieser Lösungsversuch hat Vor- und Nachteile. Er bringt Gewinn und Kosten. Der Gewinn ist zweifellos, dass er bereits einen Zustand verändert hat, der so nicht zu ertragen war. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt sozusagen. Ein untauglicher Versuch zur tatsächlichen Lösung trotzdem, wie sich später herausstellen wird, aber doch ein Vorteil, denn die Veränderungsbemühungen haben eingesetzt. Deshalb kann man sich über die Entdeckung dieses eigentlich Problems freuen. Nun wird nicht gleich jeder anfangen lauthals zu jubeln, nur weil er ein Problem entdeckt hat! Denn es entstehen auch Kosten. Der Versuch der Lösung ist eine neuerliche Belastung, denn das Nörgeln macht an sich nicht wirklich Spaß. Und durch mehr Nörgeln wird Nörgeln nicht besser, sondern noch schlimmer.

Die Trennung von einem Problem kann schmerzhaft sein

Lösung heißt immer Loslösung von etwas. Sich entscheiden, heißt sich ent-„scheiden“, bedeutet also die Trennung vom Problem. Löse ich ein Problem, löse ich mich eigentlich vom Problem ab. Und das kann eine Lücke (!) hinterlassen. Auch Hochbegabte nörgeln ganz gern gruppenweise anstatt ein Problem „sein“ zu lassen. An dieser Stelle ist Einsicht (und emotionales gefärbtes Probehandeln) nötig, damit die einfache Lösung auch verfolgt wird.

Von „einfachen“ (!) Lösungen wollen Hochbegabte oft nichts hören. Aber wir wollen ja nicht anfangen, einfachste Lösungen hoch kompliziert zu machen, damit sie vom Problembesitzer anerkannt und dann im schweren und dauerhaften „Kampf“ eingesetzt und abgenutzt werden können, damit sich schließlich doch nichts ändern muss. Nämlich weil die Lösung als zu kompliziert nicht weiter verfolgt wird. Gerne auch, weil erst andere Bedingungen erfüllt werden müssen, vornehmlich von anderen Menschen, um diese komplizierte Lösung umsetzen zu können. Auch wenn „Probleme“ manchmal auch und gerade wegen ihrer Kompliziertheit wie Statussymbole gehandelt werden: wenn das Problem wirklich weg soll, ist es oft ganz einfach. 

Die radikalste Form der Lösung: Drei Grundsätze sind genug! 1)

Grundsatz (1): Wenn etwas funktioniert, dann mach´ mehr davon!

Grundsatz (2): Wenn nicht, dann lass´ es sein!

Grundsatz (3): Wenn etwas in Ordnung ist, dann reparier´ es auch nicht!

Die Grundlage für ein Leben nach dem Druck auf die Reset-Taste.

Wem das zu einfach erscheint, der mag sich weiter in der Kunst der Chronifizierung (eines Problems) üben!

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1) In Anlehnung mindestens an Jürgen Hargens Klassiker: „Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug: (K)ein Selsthilfebuch“, Carl-Auer-Systeme Verlag, 2006

In jedem Problem steckt auch die Lösung

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