Oder wie man den erotischen Reiz des Unbekannten nutzen kann

 Kommt mir alles so bekannt vor, dass es beginnt mich zu langweilen, führe ich zuweilen mit einer Hexe ein Gespräch. Der Ausdruck „Hexe“ stammt vom althochdeutschen Begriff „hagazussa“ und das bedeutet so viel wie „die, die auf der Hecke (dem „hag“) sitzt“. Und zwar auf der Hecke zwischen der bekannten Welt des eigenen Dorfes und der ebenso reizvollen wie auch gefährlich anmutenden, unbekannten „Wildnis“. Wer einen Sinn für Hexen hat, der kann sie oder auch nur ihre Hexenposition nutzen.

Veränderung ist wohl eines der schwierigsten Projekte im menschlichen Leben. Sich selbst oder das eigene Verhalten tatsächlich zu verändern, wenn man merkt, dass es so, wie es geht, nicht weitergeht. Manchmal hilft die Metapher des klugen Indianers, der sein totes Pferd nicht mehr reitet, sondern absteigt, nicht wirklich weiter. Weil man immer noch hofft, dass das Pferd sich berappelt und plötzlich kerngesund wieder aufsteht.

Problem oder Lösung?

Ein kluger Coach sagt: „In jedem Problem steckt die Lösung“. Manchmal will man die offensichtlichen Lösungen aber gar nicht wahrhaben. Es gibt reichlich viele Gründe, Lösungen zwar wahrzunehmen, aber trotzdem nicht umzusetzen.  Vielleicht ist man sogar in einem klassischen Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt gefangen? Man will unbedingt das Neue, aber das Alte nicht verlieren? Dann braucht man einen Coach oder eine Hexe. Da echte Hexen nahezu ausgestorben scheinen, braucht man vielleicht eine Vize-Ersatz-Aushilfshexe.

Eine Hexe als Coach?

Eine echte Hexe, die in uns wohnt, die tabulos und ungehemmt denkt und fühlt, kennen wir eigentlich: es ist unsere innere Vision von einem Zustand ohne äußere und innere Oberlehrmeister, die wir eigentlich nicht mögen, weil sie uns immer wieder negativ einschränken. Sie ist ausgesprochen sexy und verkörpert unser radikalstes Ich. Sie zeigt uns den Bereich hinter der Hecke, den niemand kennen kann, der aber ausgesprochen reizvoll ist. Aber wie ohne Risiko erkunden, ob die Chance größer ist als das Risiko?

Mit der Hexe zusammen laufen wir volles Risiko. Sie zeigt uns den Weg ins Unbekannte. Ihre Erotik reizt uns, wenn auch nur begrenzt! Flirten ja, aber nicht gleich heiraten! Würden wir in flagranti erwischt, müssten wir allen anderen erklären, dass wir tatsächlich zu einer Hexe gegangen sind um uns verzaubern zu lassen.

Selbstverwirklichung nur im Traum oder in Trance?

Wir nehmen sie also ein Wochenende lang mit ins Bett und lassen es je nach Vorliebe richtig. krachen. Nach dem Wochenende sind wir wieder vernünftig und passen uns wieder an. Mit einem kleinen Unterschied: Wir kriegen den Geruch der Hexe nicht aus unseren Haaren, auch wenn wir sie viermal waschen. Wenn wir Glück haben, dann hat sie sich in unseren Neocortex geschlichen und sorgt dort für frischen Wind in unserem Alltag. Wenn es uns dann besser geht ist es gut, wenn nicht, müssen wir wohl einen längeren Ausflug machen, eine Reise zu uns selbst, die gute Hexe als Reiseleiterin immer dabei.

Kleiner Tipp: Die Hexe kann man auch ersetzen durch: Zauberer, Hexenmeister, Alchemisten und andere wahre Figuren! Oder man bemüht einen erfahrenen Coach. Und der nimmt dann die Position der Hexe ein, zu unseren Gunsten.

 

 

 

 

Konstruktivistischer Flirt mit einer Hexe

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