Nicht schon wieder: Motivation! Und jetzt auch noch: Motivation durch irrelevante Information?

Unser hochbegabter Ingenieur Manfred Schreuble weiss es jetzt. Vor Kurzem grübelte noch: Was hat der Müller-Beerheim schon wieder? Immer wieder beschwert der sich bei ihm über fehlende Informationen. Dabei sortiert Manfred immer so sorgfältig die Unterlagen.

„Die können nie genug kriegen! Und wenn ich dann mehr Informationen verteile, heißt es gleich: „Hilfe, wir ertrinken in der Informationsflut! Was sollen wir mit dem ganzen Datenmüll?!“

Schreubles Stress durch „faule und dumme Mitarbeiter und Kollegen“ interessieren Freund und Schlosser Werner jetzt nicht wirklich. Schlosser Werner ist ein alter Freund von Schreuble. Sie kennen sich schon aus der Grundschule und Schreuble weiss auch nicht warum, aber mit Werner konnte er immer, er war eigentlich nie wirklich genervt. Freund ist eben Freund. Aber Das erste Doppelkopfblatt lag nun seit zehn Minuten vor Werner auf dem Tisch. Also trat er die Flucht nach vorne an:

„Stellt Euch mal vor“, fing er an, „ihr wollt auf einem richtigen Dampfer als Heizer anheuern. Was müsst Ihr wissen, damit Ihr Euren Job hundertprozentig erfüllen könnt? Ihr müsst wissen, wo die Kohle ist, die Schaufel, das Loch, wo die Kohle rein soll, und: wenn Ihr aus Versehen die Schaufel mit ins Loch geworfen habt, wo die Ersatzschaufel ist. Wenn Ihr Euch dabei verbrennt, müsst Ihr wissen, wo der Verbandskasten ist. Sonst müsst Ihr nichts wissen: Das Schiff wird von anderen gesteuert, in der Heizung ist es 70 Grad Celsius, egal wo auf der Erde ihr seid. Ach ja, wo ihr schlaft, wo ihr was zu trinken und zu essen bekommt, ist noch wichtig. Mehr nicht. Damit könnt Ihr der perfekte Heizer sein!“ Und Werner wusste wovon er redete. Schließlich war er fast 6 Jahre als dritte Ing zur See gefahren und dass noch auf Trampschiffahrt.

Und nach einer Pause, in der keiner so recht wusste, worauf Martin hinauswollte: „ … Ihr würdet aber das Schiff gar nicht erst betreten, wenn ihr nicht wüsstet, wohin die Reise geht!“

„Natürlich nicht, ich will doch wissen, wohin ich reise!“

„Ja, eben, das ist sogar sehr wichtig für den Menschen, der der Heizer ist, aber im Grunde doch völlig unwichtig für den Heizer, also für die Funktion, den Job!

Und beim Müller-Dingsda noch viel wichtiger! Denn der will wissen, wozu der ganze Apparat dienen soll, für den er eine Gebrauchsanweisung schreibt! Dann kennt er das Ziel seiner Tätigkeit, er kann sich den ganzen Apparat und den Mann vorstellen, der ihn wartet oder repariert und deswegen die Gebrauchsanweisung lesen und verstehen muss. Und dann kommt er vielleicht auf Dinge, die bisher gar nicht berücksichtigt wurden, oder werden konnten! Das reizt seine Kreativität, er kann seine ganze Kompetenz einsetzen und das motiviert ihn auch. „Wir bauen einen Schweißroboter!“ statt: „Ich schreibe Gebrauchsanweisungen für mechanische Gelenke!“ Das klingt anders und das ist auch etwas ganz anderes!“

„Lasst uns endlich anfangen!“, sagte Manfred, Werner hatte Recht, verdammt! Müller-Beerheim hätte die Informationen gebraucht, um eine wirklich brauchbare Gebrauchsanweisung zustande zu bringen! Eine sehr gute Metapher, die Schiffsgeschichte, aber das wollte er jetzt nicht sofort zugeben.

„Du kommst raus! – Und ich sag ´Keine 120!´ “, raunzte er Werner deshalb an, der genüsslich ein Pik-As ausspielte und nur noch leise in seinen Bart murmelte: „Passt Dir jetzt nicht, dass ein Schlosser Dir was von Führung[1] erzählt, nech?!“

[1] Das gilt übrigens auch – Ihr habt es schon geahnt! – für jede andere Form der Kooperation – nicht nur für Führung!

Nicht schon wieder: Motivation!

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