Hans Gehrt von Aderkas (mit Helge Hommers)

Loslassen. Alles hat seine Zeit. Schünemann Verlag, 2020, 14,90 €, 174 Seiten (Preis wie immer ohne Gewähr!)

Hans Gehrt von Aderkas beschreibt hier ohne Zier und Beschönigung, wie er in den letzten 15 Jahren mit seiner schleichenden Krankheit Multiple Sklerose umgegangen ist.

So viel, so gut. Das wär´s eigentlich. Na, und?

Naja, wären da nicht noch ein paar Details:  Diese machen  das Buch unbedingt zum Lesestoff für alle, die sich für menschliche Extremsituationen außer Corona interessieren. Oder mit der Akzeptanz für das Unabwendbare der eigenen menschlichen Existenz, für das eigene Altern, oder für Menschen, die Extreme erleben ohne einen rechten Zugang zu diesen Personen zu haben. Um nur Beispiele zu nennen. Man könnte das Buches auch einfach als Fortsetzung des Buches von Alexandra Reinwarth „Das Leben ist zu kurz für später“ betrachten, um zu sich selbst zu kommen und das zu nutzen, auszubauen und dann zu genießen, was geht und zu akzeptieren, was nicht geht. Und das eben ohne jede rosarote Brille. Und nicht, wie es so häufig passiert, den Rest des Lebens im wehklagenden Leiden über sich selbst und das eigene Schicksal zu verbringen.

Zu Schulzeiten hatten wir nicht sooo viel miteinander zu tun, obwohl wir in einer Klasse waren. Unsere pubertären politischen Standpunkte waren eindeutig unterschiedlich bis scheinbar gegensätzlich. Um so erfreuter war ich über dieses Buch. Ich habe es tatsächlich in einem Stück gelesen, was bei mir eher selten bis gar nicht vorkommt. Automatisch packt einen das Buch bei der eigenen Biographie, und deren weiterer aktiver Gestaltung für … naja, für den Rest eben, der noch vor einem liegt. Man kommt kaum drum herum, dass einem die eigenen Eltern, Freunde, Lehrer begegnen, oder der eigene Beruf mit allem, was dazugehört an Gedanken und Gefühlen. Assoziationsketten ohne Ende werden losgetreten.

Gut die Hälfte der Seiten füllt Aderkas selbst mit einer schonungslos offenen Schilderung des facettenreichen Erlebens der eigenen schweren Erkrankung mit all ihren Folgen für Beruf, Familie, Privatleben. Den Rest der Seiten teilen sich einige Bremer, die selbst das Loslassen lernen mussten, in der einen oder anderen Art, unter ihnen auch Ex-Bürgermeister Henning Scherf.

Auch Helge Hommers, Ex-Weser-Kurier-Volontär und jetziger Radio Bremen-Online-Redaktuer, der sich schreibender Weise beteiligte, hat ein eigenes kleines Essay dazugeliefert.

Lesetipp für herausfordernde Lebenssituationen