Lars Vollmer Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen

Gebunden, 15 Euro

Er hat mal wieder zugeschlagen! Der Unternehmensberater und „Vordenker“ (vielleicht ist er „nur“ ein „Nachdenker“?!) Lars Vollmer. Dies Büchlein ist der fällige Nachschlag zu seinem Buch „Zurück an die Arbeit!“ und gleichzeitig der Brückenschlag zu seinem demnächst erscheinenden grundlegend neuem Buch.

Ein zentrale Aussage lautet: Lasst die Orgapläne und überhaupt Pläne weg und bereitet Euch lieber vor! Mit etlichen Beispielen zu seinem Thema „Wie sich Menschen organisieren, denen keiner sagt, was sie tun sollen“ macht er klar, wie sehr Organisationen, egal ob Wirtschaftsunternehmen, „Ämter“, oder andere Organisationen dabei sind, sich selbst die Luft abzudrehen durch den zwar lange bekannten, aber immer mehr ausufernden Regelungswahn. Zuständigkeiten statt Können, „Stellen“ und Posten statt nötige Funktionen und Rollen, Hierarchien um ihrer selbst Willen, die sich insgesamt nach internen Referenzen richtenden und sich selbst zugrunde, während deren Kunden als „externe Referenzen“ verzweifelt auf Lösungen warten und zur agileren Konkurrenz abwandern.

Viele an der Realität in deutschen Unternehmen verzweifelten (hochbegabten und hochmotivierten oder exzellent ausgebildeten) Mitarbeitern werden sich und ihre Leidensgeschichte 1:1 wiedererkennen! Wie oft erleben sie inzwischen, dass ihre Leistung zwar eingefordert, aber dann nicht abgefragt wird bzw. durch das System selbst verhindert wird!

Er plädiert nicht für führungslose, sondern für führerlose Hochleistungsteams, er plädiert nicht für Anarchie, sondern für gelebte exzellente Gruppendynamik und bringt in seiner metapherreichen Sprache wunderbar nachvollziehbare Analogien wie z.B. den Film „Ocean Eleven“.

Und natürlich ist die Grundbotschaft, nur noch deutlicher und noch nachvollziehbarer als schon im Buch „Zurück zur Arbeit!“: Lasst Euch nicht von der notwendigen und ertragreichen Arbeit durch deren eigene „Verwaltung“ abhalten.

Dabei plädiert er nicht für Einseitigkeit nach dem Motto, Weg mit allen Regelungen, dann geht alles von selbst, sondern er plädiert im Grunde für die schon mehrfach in der Literatur bemühte „Beidhändigkeit“ von „Führung“ oder „Leitung“. Ein schwieriges Kapitel, denn es stellt sich heraus, dass wir dazu hervorragend qualifizierte, selbständige, verantwortungsbewusste Mitarbeiter auf jeder Ebene brauchen, und keine einfachen „Regelungen“, damit es keine Utopie bleibt, sondern dringend notwendige Realität wird. Denn für diese Zukunft, die in mächtigen Schritten auf uns zukommt, gibt es keine einfachen Handlungsanweisungen! Wer darauf wartet, erliegt einem grundsätzlichen Irrtum!

Liest sich so weg an einem Nachmittag, ist aber mit 15 Euro nicht teurer als ein guter Platz im Kino und sein Geld wert. Nur die Schrift ist so klein, dass man wirklich gute Augen braucht um es zu lesen. Der einzige Minuspunkt an diesem Werk.

Klasse! von meinen 5 Sternen: *****

Nachschlag von Lars Vollmer